AUSGESCHLAFEN AN DER AUTOBAHN

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Wie gewinnt man Lkw-Fahrer?

Von: Stefan May

Vor zwei Jahren waren sie plötzlich die Helden der Gesellschaft: Die Fahrer und Fahrerinnen von Schwerfahrzeugen, die die

Versorgung der Bevölkerung mit den notwendigen täglichen Gütern in Zeiten des Corona-Lockdowns garantierten. Dann durften sie auf den Betriebshöfen die Toiletten nicht mehr benutzen, konnten unterwegs nicht mehr in Gasthäusern einkehren und erhielten keine Corona-Prämien. Um die Zukunft der Lkw-Fahrer stand es aber schon vor der Pandemie nicht gut: In Österreich fehlen 8.000 Fachkräfte.

„Bis vor 20 Jahren hat es den Begriff ,Kapitän der Landstraße‘gegeben“, erinnert sich Franz Staberhofer, Logistik-Professor an der FH Steyr. Für Freiheit und Romantik stand das Leben der Lkw-Fahrer. „Heute sind die Parkplätze keine Orte, wo man sich gerne au“ält, man trifft sich dort nicht mehr, denn die Fahrer sind durchgetaktet. Es ist einfach ein schwieriger Job, der nicht besonders gut bezahlt ist.“

„Das war ein respektierter Beruf“, erinnert sich der Teamleiter Fahrerbetreuung beim Autotransportunternehmen Hödlmayr, Christian Wansch. „Aber in unserer schnelllebigen Zeit wird der Lkw sehr oft halt als störendes Hindernis gesehen, wenn er vor einem fährt, oder wenn wir abladen.“ Aus dem freiheitsliebenden, selbstbestimmten Kapitän der Landstraße ist zudem der gläserne Fahrer geworden, sagt Wansch. „Das Tachogerät notiert jede Bewegung des Fahrzeuges. Früher hat man sich eine Telefonzelle gesucht und in der Firma nach einem Folgeauftrag gefragt. Mit der Einführung des Handys war alles schlagartig komplett anders.“ Laut Wansch sei merkbar, wie sehr heute die Work-Life-Balance bei den Menschen im Mittelpunkt stehe: „Die Arbeitszeiten und die Trennungen von Zuhause sind nicht jedermanns Sache.“

Beruf attraktiver machen

Franz Staberhofer sieht deshalb hier Option eins, um mehr Interesse am Fahrerberuf zu wecken: „Ich müsste umdenken, könnte ein Cargo-Uber bilden und von 18 bis 22 Uhr in der Feinverteilung fahren. Und in der Zeit fahre ich mit einer ordentlichen Bezahlung.“

Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), sieht

das schon vielerorts verwirklicht: „Wenn über Lkw und den Beruf Lkw-Fahrer berichtet wird, sieht man natürlich sehr oft den Autobahnparkplatz, wo am Wochenende mit Gaskocher gekocht wird. Aber das ist der Fernverkehr, international. Das österreichische Kennzeichen bedeutet klassischerweise: In der Früh ist Dienstbeginn, am Abend ist man fertig mit dem Job und schläft zuhause.“

Mehr Frauen ans Steuer

Klacska sieht vielmehr ein demografisches Problem. „In den nächsten zehn Jahren werden wir 20 Prozent der Beschäftigten verlieren. Das sind 20.000 Menschen.“ Deshalb Option zwei: Frauen. Deren Anteil im Gewerbe ist noch verschwindend klein. Das werde sich aber nicht ändern, solange die Parkplätze nicht sicher und die Sanitärräume an den Raststätten nicht sauber sind, heißt es in der Branche.

Dort weiß jeder Geschichten zu erzählen: Von Überfällen und Diebstählen von Felgen und Ladung, von Kollegen, die nachts Diesel vom Nachbar-Lkw absaugen, um so mit ihrem niedrigen Transportangebot durchzukommen. Zusätzlich stehen die Fahrer unter großem Druck: sie müssen die gesetzliche Ruhezeit und gleichzeitig einen strikten Zeitplan einhalten, außerdem abwägen, ob er weiter im Stau stehen soll und eventuell auf dem nächsten Parkplatz keine Stellmöglichkeit für die Nacht mehr findet oder von der Autobahn abzufahren. Klacska erinnert an die erste Corona-Zeit mit stundenlangen Grenzwartezeiten: „Schaffe ich es dann am Samstag oder am Freitag am Abend noch zurück zur Familie oder muss ich meine Ruhezeit, das Wochenende, im Fahrzeug verbringen?“

Neue Technologien

Option drei im Kampf gegen den Fahrermangel: automatisches Fahren. Auch in Österreich wird es bereits an zwei Orten in Oberösterreich erprobt. Zuständig dafür ist Digitrans, ein Innovationslabor für automatisiertes Fahren in der Gütermobilität. Doch dessen Chefin, Eva Tatschl-Unterberger, dämpft allzu kühne Hoffnungen. Den begleiteten Verkehr wird es noch länger geben: „Sicher ist, dass wir ganz schnell sehr viel mehr Assistenzsysteme sehen werden, die den Kraftfahrer unterstützen“, sagt sie. „Der Kraftfahrer wird sich viel stärker zum Piloten

auf der Landstraße entwickeln, zum Logistiker, und viele Tätigkeiten übernehmen neben seinem Transport.“ Etwa beim Platooning, wo dem Leit-Lkw andere folgen, in denen dann die Fahrer Administrationsarbeit machen könnten

„Mit 19 ist es zu spät. Da hat der junge Mensch seine Berufswahl bereits getroffen.“

— Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Österreich (WKO)

Noch muss der Fahrer stets aufmerksam bleiben. Immer wieder piept und brummt es im Cockpit: Spurhalteassistent, Rückfahr- und Abbiegeassistent oder das Mautgerät. Sollte es einmal beim Passieren eines Mautportals im Cockpit nicht piepsen, weil das Gerät im Fahrzeug nicht funktioniert, hat der Fahrer noch 100 Kilometer Zeit, um an einer Tankstelle nachzubuchen. Vergisst er das, muss er 250 Euro Strafe aus eigener Tasche zahlen. „Es gibt, glaube ich, keinen anderen Wirtschaftsbereich, wo man so genau überprüft wird“, sagt Klacska, „und wo man so schnell auch in einer Strafe drinnen ist“.

Deshalb tritt Klacska für Option vier ein: Weniger scharfe Bestimmungen und die Möglichkeit für einen Lkw-Führerschein mit 17, wie beim Pkw. „Denn mit 19 ist es zu spät. Da hat der junge Mensch seine Berufswahl bereits getroffen.“ (wes)

Quelle: DVZ (Zuletzt abgerufen am 27.06.2022)

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