18.08.2021 - Branchennews,

Start-up baut Containerhotels entlang der Autobahnen

Von Martin Mehringer

 

Eigentlich haben sich Ralf-Peter Kals (52) und Christian Theisen (50) längst zur Ruhe gesetzt, doch die Chance, es noch einmal allen zu zeigen, scheint einfach zu verlockend. Die beiden Freunde, die sich als Jugendliche beim Katastrophenschutz kennengelernt haben, sind als Profiteure der Deregulierung des Postgeschäfts reich geworden, nun wollen sie von der Regulierung der Logistik profitieren – mit mobilen Hotels entlang der Autobahn.


Die Idee der Roatel-Gründer ist einfach: Mitte 2020 hat die EU Lkw-Fahrern untersagt, ihre wöchentliche Ruhezeit von 45 Stunden im Truck zu verbringen. Bei Verstößen drohen üppige Strafen. Über Nacht ist der Bedarf an günstigen Schlafplätzen entlang der Autobahn explodiert. Experten sprechen von 50.000 bis 120.000 benötigten Betten. Für Kals und Theisen eine Geschäftschance.

 

 

"Wir haben die Gesetzesinitaitiven seit 2017 verfolgt und uns Anfang 2019 entschlossen, aktiv zu werden“, sagt Kals. Ihre Lösung: Das Duo baut Seefrachtcontiner zu Schlafstätten um. Aus den 13,5 Meter langen Kisten formen sie je vier Zimmer à sieben Quadratmeter. Bett, Dusche, WC, Fernseher, Fenster, Fußbodenheizung, Klimaanlage und WLAN inklusive. Eine Art Motel One aus Stahl. Außenkameras sorgen für Sicherheit, eingecheckt wird per App. Die Übernachtung kostet 46 Euro. Als Zielgruppe haben sie es zunächst auf seriöse Speditionsfirmen abgesehen, die ihren Angestellten etwas bieten wollen – auch in der Logistik grassiert der Fachkräftemangel.


Die ersten beiden Prototypen – umgebaut für insgesamt 240.000 Euro – stehen in Löningen bei Osnabrück und in Magdeburg, vier weitere sind in Produktion. "Wir haben Anfragen für 45 Container und sind mit nahezu allen Mineralölkonzernen und Raststättenbetreibern wie der Autobahn GmbH im Gespräch“, sagt Theisen.

 

 

Bis 2026 will das Duo 600 Hotelcontainer mit 2400 Betten betreiben - europaweit. Damit würde Roatel 20 Millionen Euro umsetzen. Genug für den Gang an die Börse, glauben die Inhaber.

 

Wie man einen Exit hinlegt, wissen die beiden zumindest. 2000 hatten Theisen und Kals den Briefdienstleister First Mail gegründet und damit den einstigen Monopolitsten, die Deutsche Post, so lange genervt, bis der frühere Staatskonzern das Start-up schluckte. Danach wiederholten sie das Spiel mit dem Briefsortierer Freesort, der bei Francotyp Postalia landete. Seither kümmerten sich Theisen und Kals um Immobiliengeschäfte, zogen um die Welt und ließen sich 2015 schließlich auf der schicken Düsseldorfer Königsallee nieder, um mit ihrem Fonds SeedVC in Start- ups zu investieren.


"Bei vielen Gründern dachte ich mir, das können wir eigentlich besser – und dann hatten wir die Idee für Roatel", sagt Kals. "Ich bin Verkehrsfachwirt und habe früher für eine Spedition gearbeitet. Ich kenne die Branche, es hat einfach in den Fingern gejuckt."


Die Marktlücke ist da, das Konzept steht, inzwischen klopfen die ersten Investoren an. Bereits beteiligt ist der Wuppertaler Immobilien- und Schuhkönig Peter Prange (57; Salamander).


Geschlafen haben die Neuhoteliers in ihren Containern übrigens auch unlängst. "Die Isolierung ist so toll, dass man selbst seelenruhig schläft, wenn der Nachbar schreit", sagt Kals – und hofft, dass bald auch Monteure und müde Urlauber vorbeischauen.

 

Quelle: Manager Magazin (abgerufen am 17. 08. 2021)

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