10.03.2021 - Pressemitteilungen, Video,

RTL berichtet über roatel

Gute Nacht in der einstigen Fracht

Das Truckerleben ist nichts für Weicheier. Oft sind die Brummifahrer monatelang in Europa unterwegs, tausende Kilometer entfernt von Familie und Freunden. Und oft auch von einer Dusche oder einem Bett. Park- und Schlafmöglichkeiten gibt es nur wenige. 2 Düsseldorfer hatten da jetzt nun eine Idee. Tatjana Kurdjumow hat sie getroffen.

Riesige Überseecontainer, die früher allerlei Waren über die Weltmeere schipperten. Diese beiden Geschäftsmänner aus Düsseldorf verwandeln sie in Mini-Hotelzimmer direkt an der Straße. Straße auf Englisch „Road“, daher auch ihr Name: „roatels“. Bald sollen sie überall an Deutschlands Autobahnen stehen. Zwei von ihnen gibt es sogar schon.

Ralf-Peter Kals: „Wir haben jetzt den zweiten Standort eröffnet und innerhalb der nächsten 6 Monate folgen weitere 8 Aufbauten von roatels an Autohöfen. Wir wollen das bundesweit aufbauen, das heißt an allen Autohöfen und Rastanlagen."

Das Problem ist bekannt: 800.000 Lasterfahrer sind Tag für Tag auf Deutschlands Straßen unterwegs. Die Fahrerkabine ist ihr Zuhause und Schlafzimmer. Ohne Toilette und Dusche. Oft sind die Trucker monatelang allein unterwegs, weit weg von Familie und Freunden und immer auf der Suche nach Park- und Schlafplätzen. Denn die fehlen in Deutschland. Laut EU-Gesetz ist es für die Fahrer verboten, am Wochenende in ihren Fahrzeugen zu übernachten. Aber Kontrollen finden kaum statt und die Hotels in Autobahnnähe sind oft zu teuer. Die Folge: Die Vorschriften werden kaum beachtet. Wie groß die Not ist weiß auch Truckerin Julia Beilter.

Julia Beilter: „Wenn man 9 Stunden Fahrt hinter sich hatte und auch mal Strapazen wie Stau und hier und dort, dann will man sich einfach nur noch irgendwann mal hinlegen. Man will sich breit machen, frisch machen, duschen, bisschen wieder frisch fühlen.“

Möglich machen soll das das roatel. Klein wie ein Kinderzimmer, aber hoch wie eine Altbauwohnung ist die Trucker-Bude. Mit Dusche, Waschbecken, Toilette. Sogar Klimaanlage, Flat Screen und Shampoo-Fläschchen gibt es.

Gebucht wird mit der App, geöffnet mit dem Handy. Was hier in Neuss bei Düsseldorf als Prototyp steht, hat Julia Beilter sogar schon auf einem richtigen Ratsplatz ausprobiert.

Julia Beitler: „Ich fand das richtig toll. Also hätte mir jemand die Augen zugemacht und dann so „Wo bist Du?“ dann hätte ich niemals gedacht, dass ich in einem Container stehe. Ich habe mich auf jeden Fall sicher gefühlt nachts. Ich habe auch einmal von außen an den Türen geguckt. Die gehen auf jeden Fall nicht auf, wenn du keinen Schlüssel hast. Es war ein schönes, kleines Wellness-Gefühl.“

Und das gibt es für die Brummifahrer ab 46 EUR die Nacht. Zimmer an Raststätten gibt es erst ab 80 EUR, da sie eigentlich für Familien gedacht sind. Jetzt hofft die Truckerin, dass sich die Container an Deutschlands Autohöfen und Raststätten durchsetzen und …

Julia Beitler: „… dass dann auch die Frauen vielleicht sagen: „Ganz ehrlich, so macht das einfach mehr Spaß.“ Und dass die dann einfach auf den Bock steigen und losfahren. Schein und Los. Das wäre geil.“

Schön wäre für sie auch, endlich ruhig schlafen zu können, ganz gemütlich im Container. Damit es für die Truckerin bald heißt: Gute Nacht in der einstigen Fracht.

 

Videolinks:

Zurück