14.02.2021 - Branchennews, Pressemitteilungen,

Rasten, ruhen, relaxen

Das Problem ist altbekannt, die Lösungen nach wie vor rar: Derzeit parken bis zu 120.000 LKW nachts auf deutschen Autobahnen. Entlang der rund 625 Autobahnraststätten reichen die vorhandenen Übernachtungsmöglichkeiten für Berufskraftfahrer bei weitem nicht aus. Mit ihren mobilen Hotel-Boxen für Berufskraftfahrer schafft die Roatel GmbH nun Abhilfe.

 

von Philipp Bönders

 

Angemessene Park- und Übernachtungsmöglichkeiten für LKW innerhalb des Autobahnsystems sind rar, die infrastrukturelle Lage oftmals schlecht – ganz zu schweigen von angemessenen Sanitäreinrichtungen oder Verpflegungsmöglichkeiten. Und auch abseits der großen Fernverkehrsrouten ist die Lage kaum besser. Innerstädtische und dörfliche Hotels bieten nur in Ausnahmefällen die entsprechenden Parkmöglichkeiten, ins-gesamt sind es in Deutschland nur rund ein Prozent der benötigten Kapazitäten.

Der Mangel an Stellplätzen und Übernachtungsangeboten außerhalb der LKW-Kabine wird zusätzlich durch die neuen Richtlinien des Mobilitätspakets I der Europäischen Union verschärft. Der EuGH

hatte bereits 2017 in einem Urteil klargestellt, dass Kraftfahrer ihre wöchentliche Ruhezeit von 45 Stunden nicht mehr in den engen Fahrerkabinen verbringen dürfen.

Nun schreibt die EU-Verordnung aus Juli 2020 europaweit vor, dass Logistikunternehmen und Speditionen ihren Fahrern geeignete Unterkünfte für deren zweitägige Ruhezeit bezahlen müssen. Das Verbringen der regelmäßigen wöchentlichen Ruhezeit im Truck wurde vom Gesetzgeber für rechtswidrig erklärt – und mit Bußgeldern von bis zu 1.500 Euro bei Verstößen belegt. Doch die Umsetzung erweist sich in der Alltagspraxis aufgrund der zahlreichen bekannten Probleme oft-mals als überaus schwierig – nicht zuletzt rechnen Verkehrsexperten mit zehntau-senden Hotelbetten, die aktuell bundes-weit fehlen.

 

Intelligente Lösung

Eine innovative Lösung bietet die Düsseldorfer Roatel GmbH mit ihren Überseecontainern, die zu hochwertig ausgestatteten Hotel-Boxen umgebaut werden. Seit der Unternehmensgründung im Jahr 2019 wird mit Hochdruck an dem neuartigen Mikrohotel-Konzept gearbeitet, um möglichst vielen LKW-Fahrern ein dichtes Netz an bezahlbaren Übernachtungsangeboten bereitstellen zu können.

Die Roatel-Lösung – derzeit das einzige Konzept für diesen Markt – selbst ist ein robuster 45-ft-High-Cube-Container (Pallet Wide). Dieser ist deutlich länger und höher als die Container, die über-wiegend im internationalen Handel ein-gesetzt werden. Nach der Umbauphase verfügen die Boxen über eine aufwändige Wärme-/Schall-Isolierung sowie über einen hochwertigen Innenausbau samt Innenfläche von rund 28 m2. Die lichte Deckenhöhe liegt bei zirka 2,50 m. Jedes „Roatel“ enthält vier Einzelzimmer mit je einem Duschbad und WC. Zusammen mit einem deutschen Architekturbüro wurden die Mikrohotels so konzipiert, dass die Einhaltung der Energieeinsparverordnung (EnEV) und sämtlicher baurechtlichen Vorgaben gewährleistet ist. Produziert werden die Einheiten von einem deutschen Unternehmen, das auf die Herstellung von hochwertigen Möbeln sowie auf den Fahrzeug-Innenausbau spezialisiert ist.

 

Hochwertige Ausstattung

Jedes Roatel-Zimmer ist standardmäßig mit einem komfortablen Bett, Sitzbank, und Garderobe ausgestattet und hat außerdem ein eigenes Duschbad mit WC. Durch die satinierte Glastüre sowie das rund 1,60 m hohe Fenster gelangt reichlich Tageslicht in den Raum. Im Sommer sorgt eine Klimaanlage für die nötige Kühlung, in der kalten Jahreszeit für angenehme Wärme. Die Zimmer haben elektrische Rollläden an den Fenstern, sind einbruchssicher und von außen kamera-überwacht.

Und auch für die Unterhaltung ist gesorgt: Neben kostenlosem Wifi rund um die Uhr steht ein TV mit Entertainment-Paket zur Verfügung. Der LKW-Pilot kann in einer gemütlichen Wohlfühl-Atmosphäre seine Ruhezeit verbringen und entspannen. Ein ausgefeiltes Service-Konzept ermöglicht die tägliche Reinigung sowie die Bereitstellung von frischer Bettwäsche und Handtüchern. Weitere Dienstleistungen werden dem Gast stand-ortabhängig angeboten. Der Transportunternehmer oder der Fahrer selbst können bequem per App oder Webseite ein Zimmer für eine Nacht anmieten. Check-in und Check-out erfolgen ebenfalls über das Smartphone – kontaktlos und ganz ohne Personal. Zutritt zum Zimmer erhält man mit dem digitalen Zimmerschlüssel, der dem Gast direkt auf sein Smartphone geschickt wird.

 

Breites Netzwerk

Das Konzept steht, die erste voll ausgestattete Hotelbox auf 45-ft-Container-Basis hat gerade bei Cloppenburg aufgemacht, wei-tere sollen jetzt in Kufstein und Magdeburg folgen. Jetzt wollen die Düsseldorfer ein breit aufgestelltes Partnernetzwerk in ganz Deutschland aufbauen. Im Fokus des Start-ups: die vielen kleineren und mittelständischen Autohöfe und Rastplatzbetreiber direkt an der Autobahn. Hier sieht Ralf-Peter Kals, der Roatel gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Christian Theisen vor zwei Jahren gegründet hat, ein deutliches Potenzial.

Der Vorteil der kleineren Betriebe: Die seien oftmals deutlich flexibler und innovationsfreudiger als die großen Auto-hof-Ketten. Und auch die vielen Autohöfe in einigem Abstand zu den großen Fern-verkehrsrouten sind für den Roatel-Chef potenzielle Partner. „Diese Standorte sind für uns ebenfalls interessant und die Betreiber versprechen sich, mit unseren Lösungen noch mehr LKW dazu bewegen zu können, von den Autobahnen für ihre Rast- und Ruhezeit abzufahren“, so Kals. 600 weitere Übernachtungs-Container sollen in den nächsten drei bis vier Jahren entstehen. „Sogar Anfragen aus Österreich, Spanien und Frankreich gibt es schon“, freut sich der Unternehmer.

 

Minimaler Aufwand

Der Aufwand für die Partner ist mininal. Laut Roatel beanspruchen die vorbereiten-den Arbeiten vor Ort nur einen Tag. Ein einfaches Kies-, Beton- oder Streifenfundament sowie ein Wasser-/Abwasser- und Stromanschluss reichen aus, um einen Hotelcontainer der Düsseldorfer aufstellen zu dürfen. Zudem muss der Autohof- oder Parkplatzbetreiber mindestens vier LKW-Stellplätze pro Roatel-Box bereithalten. Sind diese Kriterien erfüllt, kann die 45-ft-Box schnell und einfach per Containerchassis angeliefert und installiert wer-den – ganz ohne Risiko für den Betreiber.

Neben der Entwicklung der Container-Einheiten, übernimmt Roatel auch den gesamten Hotelbetrieb. Die Partner müssen die Boxen nicht kaufen und so-mit auch keine Investitionen – bis auf die Versorgungsanschlüsse – tätigen. Für das Bereitstellen der Aufstellfläche erhalten diese vom Anbieter eine Pacht. Zusätzlich können die Partner Teile der Dienstleistungen übernehmen – und werden dafür ebenfalls von Roatel entlohnt. Möchte ein Parkplatz- oder Rasthofbetreiber einen Container in Eigenregie betreiben, ist auch der Kauf einer voll ausgestatteten Einheit möglich. Dann muss das Miniatur-Hotel allerdings in Eigenregie betrieben werden.

 

Quelle: Kfz-Anzeiger, Ausgabe 2/2021, S.58ff.

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